KUTZERS CORNER


Anlagestrategie für Oktober: Die Halloween-Strategie

04.10.26 

Aktien, Anleihen, Investmentfonds? Das galt gestern. Die Märkte sind vielfältiger und komplizierter geworden. Außerdem gibt es immer mehr Instrumente, auf denen Sie, geschätzte Anleger, spielen können. Deshalb sollten Sie sich mit den Besonderheiten der einzelnen Anlageformen rechtzeitig befassen.

Ein interessantes Beispiel für saisonale Einflüsse hat mir jetzt der internationale Online-Broker Freedom24 geliefert, Thema: Die sogenannte „Halloween-Strategie“ als Zusatz zur klassischen Anlagestrategie. Im Folgenden die wesentlichen Elemente:

Was ist die Halloween-Strategie?

Die Halloween-Strategie besagt: Anleger kaufen Ende Oktober oder Anfang November Wertpapiere, halten diese bis Ende April und reduzieren von Mai bis Oktober ihr Marktengagement – „Sell in May and go away“. Die Finanzexperten von Freedom24 untersuchen, inwiefern diese Strategie aufgeht und worauf Anleger Halloween 2026 achten sollten. Diese basiert auf der Finanzmarktstudie „The Halloween Indicator, Sell in May and Go Away: Another Puzzle“ (2002) der Finanzforscher Sven Bouman und Ben Jacobsen: Historisch gesehen sind Aktienrenditen zwischen November und April durchschnittlich höher ausgefallen als zwischen Mai und Oktober. „Das bedeutet jedoch nicht, dass das Sommerhalbjahr zwangsläufig zu Verlusten führt. Genau hier liegt das Hauptrisiko der Strategie: Ein Anleger könnte mehrere starke Kursanstiege verpassen, die sich langfristig als bedeutender erweisen als der durchschnittliche saisonale Vorteil“, erläutert Dominik Mayr, Director bei Freedom Finance Germany.

Verschiedene Varianten im Vergleich

Darauf weist auch eine Reuters-Analyse hin. Diese zeigt auf, dass der Aktienindex S&P 500 seit 1945 zwischen Mai und Oktober im Durchschnitt eine Rendite von etwa zwei Prozent ausgewiesen hat – verglichen mit fast sieben Prozent zwischen November und April. In den letzten zehn Jahren erholte sich das traditionell „schwache“ Halbjahr jedoch: Die durchschnittliche Rendite näherte sich sieben Prozent an. Einer der jüngsten Zeiträume von Mai bis Oktober brachte einen Gewinn von 22,1 Prozent. Konkreter werden die Finanzexperten von Freedom24 anhand einer Beispielrechnung. Dafür vergleichen sie drei Strategien: Bei „Buy & Hold“ wird der S&P 500 als ETF gehalten. „Classic Halloween“ zielt auf die eigentliche Halloween-Strategie ab. „Modern Halloween“ geht davon aus, dass das Kapital ab Mai in dreimonatige US-Treasury Bills – also Staatsanleihen – gesteckt wird. Diese sind grundsätzlich risikoärmer als Aktien oder ETFs. Zeitfenster der Berechnungen der drei Strategien: November 2015 bis Oktober 2025, das zehn vollständige Saisonzyklen umfasst – mit einem Startkapital von 10.000 Euro. „Buy & Hold“ resultiert in einem Gesamtkapital von 32.900 Euro (+229 Prozent). „Classic Halloween“ in 17.280 Euro (+73 Prozent). Und „Modern Halloween“ in 19.306 Euro (+93 Prozent). „Die drei Strategien weisen einen bestimmten Vorteil und ein Risiko auf. ‚Buy & Hold‘ geht mit einem langfristigen Zinseszinseffekt einher, aber ebenso mit vollen Risiken bei Marktrückgängen. ‚Classic Halloween‘ bietet dagegen geringeres Anlagerisiko, aber man verpasst etwaige starke Sommerrallyes des S&P 500. ‚Modern Halloween‘ bietet auch geringeres Risiko, aber zeitgleich Zinserträge. Die Rendite ist jedoch weiterhin geringer als bei ‚Buy & Hold‘“, erklärt Mayr.

Marktbedingungen und saisonale Muster

Welche der drei Strategien empfehlen die Finanzexperten von Freedom24 für Halloween 2026? Dabei legen sie einen besonderen Fokus auf den Anleihemarkt – also den Teil des Finanzmarktes, auf dem festverzinsliche Wertpapiere, wie Staats- und Unternehmensanleihen, gehandelt werden. Laut Mayr können steigende Renditen bei US-Staatsanleihen Druck auf Unternehmensbewertungen ausüben – insbesondere im Technologiesektor und in anderen Sektoren, in denen die Bewertungen stark von zukünftigen Cashflows abhängen. „Die Annäherung der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen an fünf Prozent verschärft dieses Risiko trotz robuster Unternehmensgewinne. Gleichzeitig benötigt der Markt die Bestätigung, dass umfangreiche Investitionen in künstliche Intelligenz zu nachhaltigem Wachstum bei Umsatz und Cashflows führen können“, kommentiert Mayr. Ihm zufolge dürfte es in der nächsten Phase des KI-Zyklus für Anleger immer wichtiger werden, nicht nur die Höhe der Investitionsausgaben zu berücksichtigen, sondern auch die Fähigkeit der Unternehmen, eine reale Rendite aus diesen Investitionen zu erzielen – und nicht nur Versprechungen für Anleger.

Eine neue saisonale Phase kommt

„Daher sollte die neue saisonale Phase Ende Oktober nicht als automatisches Kaufsignal nach der Halloween-Strategie betrachtet werden, sondern als ein Aspekt einer umfassenderen Anlagestrategie. Dies gilt grundsätzlich für die Halloween-Strategie nach unserer Untersuchung: Diese sollte als zusätzlicher Faktor innerhalb einer Anlagestrategie gesehen werden und nicht als einzig geltende Anlagedevise. So kann die Saisonalität beispielsweise bei aktuellen Unternehmensbewertungen oder Geldpolitik herangezogen werden“, resümiert Mayr.

Zu guter Letzt

In meinen Augen ganz wichtig ist, dass private Anleger ohne größere Erfahrung neue Instrumente und Taktiken erst dann nutzen, wenn sie bereits einige Jahre im Markt waren. Es sollte Ihnen, geschätzte Anleger, nicht nur um einzelne Teilmärkte oder gar einzelne Werte gehen, sondern zunächst auch um das Verstehen von Instrumenten und ihren Märkten.