Bleiben Sie weiter vorsichtig!
02.11.26
Meine Skepsis hat sich bestätigt. Denn auch der Beginn des neuen Monats beschert den Kapitalanlegern widersprüchliche Signale. Schon vormittags kam ein Dämpfer durch das Ifo Institut, denn Deutschland sei schlecht auf den KI-Boom vorbereitet. Nach Darstellung der Forscher fehlen wichtige Voraussetzungen, um das Wachstumspotenzial Künstlicher Intelligenz auszuschöpfen: „Die Hightech-Branche ist noch zu klein, die Verwaltung ist zu wenig digitalisiert, das Bildungssystem passt sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an“, sagt Oliver Falck, Leiter des Ifo Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation.
Der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologien) trägt nur 4,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung in Deutschland bei. Damit liegt der Anteil im unteren EU-Mittelfeld. Bei IKT-Dienstleistungen importierte Deutschland 2025 Leistungen im Wert von 11 Milliarden US-Dollar mehr, als es exportierte. „Kein anderes EU-Land ist im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie stärker vom Ausland abhängig als Deutschland“, sagt Ifo-Forscher Christian Pfaffl.
Kaum Fortschritte gibt es nach Analysen des Ifo Instituts auch bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung – obwohl gerade sie mithilfe von KI und der umfangreich vorhandenen Verwaltungsdaten Bürger*innen und Unternehmen bessere Dienstleistungen anbieten könnte. So steckt Deutschland beispielsweise bei der Bereitstellung vorausgefüllter Formulare noch in der Experimentierphase, während dies in Nachbarländern wie den Niederlanden, Dänemark, Polen oder Österreich längst weitgehend umgesetzt ist.
Alles andere als Hochstimmung wird auch von den europäischen Automobilherstellern verbreitet. Schreibt Scope Ratings: Deutsche Autohersteller verlieren die Gewinne aus China, die ihr Geschäft ein Jahrzehnt lang stützten, während chinesische Konkurrenten in Europa expandieren. Sie erwarten, dass die Margen strukturell niedriger bleiben, wodurch die firmeneigenen Finanzierungsgesellschaften verstärkt zur Stützung der Kreditqualität beitragen müssen.
Von einer tiefgreifenden, grundsätzlichen Stimmungsverschlechterung kann aber am deutschen Aktienmarkt keine Rede sein. Es ist immer noch Widerstand nach unten vorhanden. Allerdings bringen die kommenden Tage weitere Belastungen. So darf man gespannt sein, wie die Midterm-Wahlen am Dienstag in den USA ausgehen – und mit welchen Folgen. Bleiben Sie also vorsichtig!