KUTZERS ZWISCHENRUF

Das Weihnachtsgedicht 2023 

23.12.23

Der Weihnachtsmann, alt und erfahren,

verfolgt die Börse schon seit Jahren.

Mit Aktien aus der ganzen Welt

verdient er jede Menge Geld.


Damit er davon nichts verliert,

wird der Gewinn re-investiert

in Value-Werte (möglichst breit)

und Gold – das dient der Sicherheit.


Doch sieht der Niklas dieses Jahr

im Kursanstieg auch die Gefahr,

dass man das Risiko verschätzt,

weil unsre Welt sich selbst verletzt.


Denn Klimawandel, Kriege, Krisen,

die auch die Konjunktur vermiesen,

bereiten allen große Sorgen –

der Börse heut‘ noch nicht, doch morgen?


So kann man Niklas nicht verübeln,

wenn er beschließt (nach tiefem Grübeln)

die Strategie zu differenzieren

und mehr als sonst zu konsumieren.


Zugleich verstärkt er noch das Streuen,

denn er will Baissen nicht bereuen:

Cash und Gold sind jetzt zentral,

Immobilien werden erste Wahl.

Ergänzt durch “Convertible Bonds“,

dazu noch Welt-Investmentfonds.

ZWISCHENRUF

Was die Börsenprofis von 2024 erwarten 

12.12.23

Wie ticken die Börsianer? Wir sind mitten in der Zeit der Analysen und Prognosen zum Jahreswechsel. Die Zunahme von Konflikten, anhaltende Stagnation und hohe Zinsbelastungen haben die Weltwirtschaft vor ernsthaften Herausforderungen gestellt. Trotz dieser Fliehkräfte stehen die Aktienmärkte zum Jahresende nahe Ihrer Allzeithochs. Wie geht es 2024 weiter? Bisweilen gehen die Marktbeobachter im kommenden Jahr von einer gewissen Ruhe aus. Der Sentix Jahresausblick 2024 zeichnet ein deutlich volatileres Bild.

Konsequenzen aus Krieg und Frieden

Die Vielzahl an Kriegen und Konflikten bedeuten nicht nur unendlich viel menschliches Leid, sondern haben auch handfeste Konsequenzen für Wirtschaft, Börse und unser Miteinander. Die Stimmungsforscher von Sentix beleuchten daher in ihrem Jahresausblick 2024 die Zusammenhänge und Auswirkungen dieser Konflikte. In den kommenden Monaten dürften aus diesem Themenkomplex intensive Finanzierungsfragen gestellt werden – auch im Falle von wünschenswerten Friedensbemühungen. Die klammen Staatshaushalte sollten insgesamt stärker in den Fokus der Anleger rücken, insbesondere in den USA. Dies hat Folgen für die Entwicklung der Zins-, Währungs- und Aktienmärkte.

Stagnation bleibt, Rezession nicht vom Tisch

Das beherrschende Konjunkturthema „Stagnation/Rezession“ dürfte auch 2024 nicht an Brisanz verlieren. Die Hoffnung der Marktteilnehmer auf eine Erholung der Wirtschaft teilen die Analysten von Sentix nicht. Der Kampf um Ressourcen bleibt beherrschend und Knappheitspreise sollten strukturell die Inflation hochhalten. Insbesondere beim Thema Arbeits- und Fachkräftemangel gibt es keine Anzeichen von Entspannung. Daher sollten die Anleger nicht allzu viel Unterstützung von den Notenbanken erwarten. Der konjunkturelle Rückenwind zum Jahresbeginn dürfte sich schnell als laues Lüftchen entpuppen und die angelegten Stagnationstendenzen am Laufen halten. Sentix erwartet, dass die USA in 2024 in eine Rezession abgleiten. Der dämpfende Effekt der bisherigen Zinsanhebungen dürfte sich zeitverzögert auswirken und seinen Tribut in einem Abschwung fordern. Der Chef-Stratege von sentix, Manfred Hübner, resümiert: „Die Anleger sollten sich nicht von einer temporären Erholung der Wirtschaft blenden lassen.“

Zuerst Deflationshype, danach erneuter Preisauftrieb

Der Blick in der Preisentwicklung richtet sich aktuell nach unten – zumindest vorerst. Das Momentum ist immens und beflügelt die Fantasie der Anleger. Im vergangenen Jahresausblick „Mangelwirtschaft“ von 2023 wurden jedoch die Themen aufgezeigt, die in unserer Wirtschaft strukturell zu Mangelerscheinungen führen und inflationstreibend

wirken. Auch wenn Kriege befriedet werden könnten, sind diese Mangelerscheinungen keinesfalls beseitigt und dürften sich im Jahresverlauf 2024 erneut bemerkbar machen.

Das anstehende Jahr sollte daher für jeden etwas bieten: Von der zyklischen Betrachtung profitiert die Inflationsentwicklung in den ersten Monaten gerade von den rückläufigen Energiepreisen. Gerade bei den Gaspreisen ergibt sich, europaweit, basisbedingt eine Entlastung für die Inflation. Spätestens Ende Mai dürfte dieser Effekt jedoch auslaufen. Sentix rechnet deshalb nur kurzfristig mit Inflationsentlastung und Stress im zweiten Halbjahr. Patrick Hussy, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei Sentix stellt fest: „Den Notenbanken fehlt letztlich der Spielraum für Zinsgeschenke.“

Higher for longer?

Die Jahresbefragung der Anleger zeigt eine große Einmütigkeit, dass sowohl die Notenbankzinsen als auch die Langfristzinsen nach unten gehen. Diese Fantasie fußt auf den aktuell stark rückläufigen Inflationszahlen. Damit sind die Anleger und der Bondmarkt deutlich in Vorleistung gegangen, die Notenbanker müssen ganz schön liefern, um diese Erwartungen nicht zu enttäuschen. Das Positionierungsverhalten ist bereits „ultra long“. Damit ist der Markt sehr verwundbar! Die Risiken für Bonds sind hoch, insbesondere dann, wenn klar ist, dass die Notenbanken die Zinsen nicht senken.

Sentix erwartet daher, dass das Credo „higher for longer“ von den Notenbanken in die Tat umgesetzt wird, woraus für sentix im Laufe des Jahres 2024 ein Anstieg der 10-Jahres-Renditen bei US-Staatsanleihen in Richtung 5,5 Prozent folgt. In Euroland dürfte die 3-%-Marke deutlich überschritten werden. „Unsere Prognose ist damit ein echter Contrarian-View“, betont Hübner.

Ambitionierte Bewertung bei US-Aktien

Sentix geht davon aus, dass ein schwieriges Aktienjahr vor uns liegt. Gerade der US-Aktienmarkt ist bereits sehr hoch bewertet. Zwar ist die Chance für eine finale, kurze Übertreibung durchaus gegeben. Doch die Warnzeichen über der Behavioral Finance Analysen mehren sich: „Selbst wenn sich die Zinsen als stabil erweisen oder gar etwas sinken, bleiben Aktien teuer und bewertungstechnisch gefährdet“ stellt Hussy fest. Würde der Zins jedoch (wie von Sentix angenommen) wieder ansteigen, wäre dies unter dem Blickwinkel der Bewertung eine massive Bedrohung für Aktien. Das blendet der Konsens bislang aus.

Kommt dann noch eine Rezession oder eine, zumindest für die USA zunehmend wahrscheinliche, Staatsschuldenkrise hinzu, wäre das ein Mix für einen perfekten Sturm. Folglich dürfte der Aktienmarkt im zweiten Halbjahr in eine Falle laufen: Steigende

Langfristzinsen, eine Notenbank, die aufgrund einer steigenden Kerninflation nicht zur Hilfe eilen kann, und die Störfeuer, welche im Zuge der Präsidentschaftswahl zu erwarten sind (Trump wird als Kandidat die Stimmung anheizen), haben alle das Potential, den S&P um 1000 Punkte nach Süden zu schicken.

Für den deutschen bzw. europäischen Aktienmarkt sieht es am Ende nicht viel besser aus. Die Energieversorgungsprobleme bleiben, die Inflations- und Mangelerscheinungen in der Wirtschaft ebenfalls. Zudem dürfte auch in Deutschland der Ausgang der Landtagswahlen die Grabenkämpfe in der Politik und Gesellschaft verschärfen.

Steigende Zinsen tun ihr Übriges. Ein dynamischer Abverkauf und ein Dax-Tief bei 13.000 Punkten im Herbst ist in diesem Zuge die für uns wahrscheinlichste Variante.

Behavioristisches Gutachten: Gierige Privatanleger

Im Rahmen der sentix Jahresbefragung für 2024 wurden die Anleger erneut nach ihren Renditeerwartungen an das Folgejahr befragt. Mit 7,10% ist die Renditeerwartung im Schnitt die höchste seit 2016 (Erhebungsbeginn). Bei den Privaten ergibt sich ein besonders starker Anstieg. Diese hohen Erwartungen dürften zum Problem werden. Insgesamt fällt auf, dass die Anleger sehr stark auf den Zinsmarkt setzen.

Der Zinsmarkt ist demnach prädestiniert dafür, das Erwartungsgerüst und die Ertragserwartung ins Wanken zu bringen.

(Unter dem Titel „Krieg und Frieden“ bietet der Kapitalmarktausblick auf über knapp 90 Seiten weitere Prognosen und zehn Anlageideen für 2024. Die Publikation kann hier elektronisch bestellt werden: https://shop.sentix.de/sentix-jahresausblick-2024. Die Sentix GmbH ist ein Beratungsunternehmen, welches darauf spezialisiert ist, in Echtzeit Auskunft zum Anlegerverhalten und zur Anlegerpsychologie zu liefern. Die Basis bildet eine der größten unabhängigen Investorenbefragungen weltweit, rund 7.000 Teilnehmer).

ZEW-Index steigt trotz Haushaltskrise

Ein neben dem Ifo-Geschäftsklimaindex stark beachteter monatlicher Indikator ist der ZEW-Index. Die aktuellen, heute veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die Konjunkturerwartungen für Deutschland erneut leicht steigen. Die Einschätzung der gegenwärtigen konjunkturellen Lage hat sich ebenfalls leicht verbessert. „Trotz der aktuellen Haushaltskrise sind die Lageeinschätzung und die Konjunkturerwartungen für Deutschland erneut leicht gestiegen. Dazu beigetragen hat die Tatsache, dass sich der Anteil der Befragten, die von der EZB mittelfristig Zinssenkungen erwarten, verdoppelt hat. Das wiederum sind gute Nachrichten für die deutsche Baubranche, für die wir in diesem Monat deutlich optimistischere Erwartungen beobachten. Ebenso sinkt der Anteil der Befragten, die weiter sinkende Inflationsraten erwarten“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach die aktuellen Ergebnisse.

KUTZERS ZWISCHENRUF

Kein Bock auf Deutschland? 

07.12.23

Wie kann es sein, dass alle Deutschland schlecht machen – vor allem die Deutschen selbst –, die Börse aber bestens gelaunt neue Rekordhöhen erklimmt? Ich habe über die Jahrzehnte hinweg mehrfach Alles-ist-schlecht-Phasen erlebt. Die Aktuelle entwickelt sich zur bisher schlechtesten, denn jetzt kommt alles zusammen: Vom Krankenmann Europas bis zur Pisa-Studie, von der gefährlich flackernden Berliner Ampel mit einer Haushaltskatastrophe bis hin zu einer schier endlosen Kette von miesen Lageberichten aus der Wirtschaft sowie nicht zuletzt die vielen Enttäuschungen aus dem Profisport im internationalen Wettbewerb (u.a. Fußball). Nur den Dax juckt das nicht.

ZWISCHENRUF

Bald Wende für Grundstoff-Aktien? 

27.11.23

Die europäischen Produzenten von Grundstoffen haben in diesem Jahr gemessen am Stoxx 600 Basic Resources Index eine Rendite von minus 5,1 Prozent erzielt, während der breite Markt um knapp 12 Prozent zugelegt hat. Dies ist auf die anhaltende Normalisierung der Preise für Basismetalle und Erze zurückzuführen. Diese waren infolge der pandemiebedingt lockeren Geld- und Fiskalpolitik in die Höhe geschnellt und hatten erheblich zur hohen Inflation beigetragen. Ein großer Teil der Preisnormalisierung sollte jedoch inzwischen abgeschlossen sein.

KUTZERS STANDPUNKT

Anleger, tauscht Eure Erfahrungen aus 

09.11.23

Mit dem näher rückenden Jahreswechsel hat die Hochsaison der Börsenprognosen begonnen – Gibt es noch eine Jahresschluss-Rally am Aktienmarkt? Wie könnte 2024 werden? Es sind deshalb (kein Wunder) auch Wochen mit zahlreichen Anlegerveranstaltungen in deutschen Großstädten. Auf diesen „Börsentagen“ wird Ihnen viel geboten, geschätzte Anleger, denn Banken, Investmentfonds und Fachverlage stellen ihr professionelles Know-how in Wort und Schrift zu Verfügung und werben für einzelne Märkte und Produkte. Dazu gibt es jede Menge Broschüren, Vorträge und Diskussionsforen. Das sind seltene und besonders sinnvolle Gelegenheiten, um sich über Geldthemen zu informieren. Ich selbst habe viele Jahre lang Anlegermessen und Börsentage aktiv begleitet.

Wichtig ist dabei aber auch folgende Empfehlung: Seien Sie nicht nur Zuhörer, Fragensteller und Prospektsammler, sondern versuchen Sie auch Kontakt zu anderen Privatanlegern zu gewinnen! Denn wo sonst haben Sie die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten? Nach meinen Beobachtungen sind gerade die Erlebnisse anderer Börsianer nützlich. Achtung! Besonders aus den Fehlern sollte man lernen – aus Erfahrung eben!