Der Börsenhorizont verdunkelt sich noch

 18.09.22

Wie geht’s weiter? Börsenprofis neigen berufsbedingt zu Optimismus. Deshalb haben sich die Märkte im bisherigen Jahresverlauf besser gehalten als das wirtschaftliche und politische Umfeld – trotz zeitweiser beträchtlicher Kursverluste bei Aktien und Anleihen. Geblieben ist stimmungsmäßig die Tendenz, Hoffnungsschimmer am Horizont auszumachen. Als hartnäckiges Mitglied des Bullen-Lagers habe auch ich seit Monaten versucht, betont langfristigen Anlegern für Dax & Co. Mut zu machen. Diese Haltung unterbreche ich hier und heute. Denn ich befürchte, dass die unberechenbaren Risiken bisher noch unterschätzt werden – Ukraine-Krieg und Folgen, Energiekrise, Inflation, Rezession etc. Zwar breitet sich seit dem jüngsten Zinsschritt der Fed nicht nur an der Wall Street gewisse Skepsis aus. Doch werden Entwicklungen mit negativem Vorzeichen immer noch weniger gewürdigt als umgekehrt (vermeintlich) positive Signale in festere Aktienkurse umgesetzt.

China und Indien gehören in internationale Depots

 15.09.22

Internationale Investoren interessieren sich seit Jahren zunehmend für Wertpapiere der Schwellenländer – insbesondere für asiatische Aktien. Unter den Emerging Markets (EM) nehmen die Giganten China und Indien größen- und wachstumsbedingt herausragende Rollen ein. Das heißt allerdings nicht, der „Look East“ würde bei aller Fantasie eine überdurchschnittliche Performance garantieren. Soeben vorgelegte Studien prominenter Player machen deutlich, dass es unabhängig von der kurzfristigen Kursentwicklung grundsätzliche Überlegungen gibt, die für die großen Asiaten sprechen. Ich bleibe ebenfalls dabei: Auch private Anleger mit einem international gemischten Portfolio sollten Aktien bzw. Aktienfonds aus diesem Raum nicht vernachlässigen.

Überschätzen sich die Börsen-Bullen?

 13.09.22

Es gibt unterschiedliche Ansätze beim Versuch, eine Börsentendenz nachvollziehbar zu erklären. Momentan fällt das besonders schwer, weil Krisen, Konjunktur und Kurse auseinanderdriften. Die jüngsten Stimmungsindikatoren aus der deutschen Wirtschaft sind ausgesprochen schlecht. Die Aussichten sind sogar noch trüber – man diskutiert bereits über die Schwere der bevorstehenden (oder bereits begonnenen) Rezession! Der Aktienmarkt spiegelt das nicht wider, denn die Bullen beherrschen das Feld. Ihr wichtigstes Futter liefern die Zentralbanken, weil deren Zinswende auch als Signal für das nahende Ende der historisch hohen Inflation gesehen wird. Ach ja, dann raunt man sich (noch leise) zu, im Kriegsszenario deute sich ebenfalls eine Wende an, weil die Ukraine erfolgreich zurückschlägt und auf zunehmende Lieferungen schwerer Waffen des Westens hoffen kann.

Inflation, Zinsen und Euro halten uns weiter in Atem

 08.09.22

Nein, vor uns liegen keine ruhigen Herbst-Winter-Monate. Es bleibt spannend – und gefährlich! Wer mit einem Ohr die heutige Bundestagsdebatte verfolgt hat und anschließend die spontanen Reaktionen auf den EZB-Zinsschritt, konnte einen eher skeptischen Eindruck von den kurz- bis mittelfristigen Aussichten für Wirtschaft und Börse gewinnen. Zynisch formuliert: Inflation und Zinsen werden weiter steigen, Anleihen- und Aktienkurse werden dann fallen Und der Euro bleibt labil. All das vor dem Hintergrund des anhaltenden Ukraine-Kriegs, der Energiekrise, einer beginnenden Rezession in Europa und der Ungewissheit über die Entwicklung der Pandemie. Seit Tagen mehren sich die miesen Lageberichte aus der deutschen Wirtschaft. Die Prognosen klingen noch schlechter. Woher soll da noch 2022 die Wende zum Besseren kommen?

Die Deutschen haben zu viel Angst

 06.09.22

Während unsere Parlamentarier über Zahlen debattieren, wächst in der Bevölkerung die Angst – Angst vor fast allen Krisenerscheinungen, die inzwischen furchterregende Ausmaße annehmen. Zwei Meldungen von heuten bestätigen dies. Die darin veröffentlichten Zahlen können einem tatsächlich Angst machen. So steigt nach wochenlanger Rekordhitze und extremer Trockenheit die Sorge der Deutschen vor den Folgen des Klimawandels erneut merklich an. Jeder dritte Bundesbürger (32%) gibt inzwischen wieder an, den Klimawandel aktuell zu den drei größten Sorgen zu zählen – sechs Prozentpunkte mehr als noch im Vormonat. Ein höherer Wert wurde in Deutschland zuletzt im Oktober 2021 gemessen, so das Ergebnis der monatlich in 28 Ländern weltweit durchgeführten Ipsos-Studie „What Worries the World.“ Damit liegt der Klimawandel hinter den Themen Inflation (44%) sowie Armut und soziale Ungleichheit (35%) nun wieder auf Platz drei der größten Sorgen der Deutschen. Auf den Rängen vier und fünf der Sorgenskala rangieren die Angst vor militärischen Konflikten (27%) und Corona (22%).