KUTZERS CORNER

Was Börsenprofis für das neue Jahr empfehlen (1) 

30.11.25

Wie verspricht das neue Börsenjahr zu werden? Anlagestrategen sind noch vorsichtig, bleiben aber überwiegend optimistisch.

Mit dem näher rückenden Jahreswechsel wächst die Bereitschaft, einen Blick auf 2026 zu wagen. Ich werde deshalb in mehreren Beiträgen aktuelle Analysen und Empfehlungen nationaler und internationaler Anlagestrategen aufgreifen.

Worauf es ankommen wird, hängt unverändert von folgenden Entwicklungen ab: Inflation/Zinsen, Konjunkturverlauf, Geopolitik, Technologie. Dabei zeichnet sich längst schon ab, dass wieder reichlich anlagebereite Liquidität zur Verfügung stehen wird, die attraktive Investments sucht. Vorab: Ich bleibe bei meiner Empfehlung, auch 2026 vor allem auf Aktien, Edelmetalle und Industrierohstoffe als Kernelemente zu setzen.

Gute Unternehmensberichte stützen Börsen

„Technologie bleibt Zugpferd für globale Gewinne 2026“, schreiben mir die Analysten der Erste Group. Der globale Aktienmarktindex befestigte sich in der letzten Woche in Euro um +3,1 %. Der Stoxx 600 stieg +2 %, der S&P 500 notierte im Wochenvergleich in Euro +3,6 % höher. Der Nikkei 225 stieg um +1 %. Die positive Entwicklung des globalen Aktienmarktindex wird von einer sehr guten Umsatz- und Gewinnentwicklung der Unternehmen unterstützt. Die Gewinne der Aktiengesellschaften werden heuer laut Konsensus-Forecast global um ca. +8,6 % steigen. Das globale Gewinnwachstum wird sich 2026 auf +11,4 % beschleunigen. Die größten Beiträge zur prognostizierten Gewinnsteigerung 2026 kommen von den Sektoren Technologie und Finanzen. Ausblick: In den nächsten Tagen berichten weitere große Konzerne ihre Quartalsergebnisse.

Kräftige Impulse seitens der Geldpolitik

Das Makro-Umfeld dürfte auch 2026 robust bleiben, so die Einschätzung von Allianz Global Investors. Wenngleich sich der Wachstums-Inflations-Mix angesichts höherer Handelsunsicherheiten und eines basiseffektbedingten Inflationsanstiegs eintrüben könnte. Asien zeigt sich trotz externer Belastungen – insbesondere aufgrund höherer US-Zölle – weiterhin resilient und sollte von starken Technologieexporten sowie vom politischen Spielraum für wirtschaftliche Lockerungsmaßnahmen profitieren. Der Kontinent dürfte auch im kommenden Jahr schneller wachsen als andere Weltregionen.

Europäische Sparer zögern noch

Die Fondsmanager von Carmignac ziehen auch andere Vergleiche: Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Europäische Sparer zögern, in Aktienmärkte zu investieren, aus Angst vor einem baldigen Platzen der KI-Blase. Der Kontrast zum amerikanischen Privatanleger ist frappierend: Er ist voll und ganz am Börsenaufschwung dieses Themas beteiligt. Wer hat Recht? Die Erstgenannten könnten eine riesige Chance verpassen, während viele der Letzteren unter ihrem späten Einstieg leiden könnten. So wie immer. Selbst für Investoren kann sich die Frage nach KI jedoch nicht auf ihren Einfluss auf die Börsen beschränken, da ihre sozialen Auswirkungen sehr tiefgreifend sein könnten.

Weltwirtschaft im Schatten der Handelskonflikte

Die Strategen von M.M. Warburg widmen sich ausführlich den globalen Konflikten: Die Weltwirtschaft steht 2026 weiterhin unter dem Einfluss handelspolitischer Spannungen. Zwar haben bilaterale Abkommen zwischen den USA und zahlreichen Handelspartnern die Unsicherheit verringert, doch das Risiko neuer Zollmaßnahmen bleibt präsent. Sollte die US-Regierung Abkommen aufkündigen und höhere Einfuhrzölle verhängen, könnte dies den Welthandel zusätzlich schwächen. Gleichzeitig würden steigende Zölle den Preisdruck erhöhen und die Zentralbanken zwingen, ihre geldpolitischen Lockerungen zu beenden.

Weiter heißt es: „Eine Eskalation im internationalen Handelsstreit ist nicht unser Basisszenario. Vielmehr rechnen wir mit einer allmählichen Beruhigung und einer Phase der Neuausrichtung. Die bereits durch die Corona-Pandemie angestoßene Diversifikation der globalen Lieferketten setzt sich fort. Ein Profiteur von den neuen handelspolitischen Rahmenbedingungen ist China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft befindet sich in einer guten Ausgangsposition und dürfte weiterhin vom Außenhandel profitieren.“ Während chinesische Exporte in die USA zurückgehen, verlagern sich die Handelsströme zunehmend in Richtung Europa, Asien und Lateinamerika. Im internationalen Wettbewerb kommen China zwei Faktoren zugute: Zum einen besitzt es aufgrund seiner Quasi-Monopolstellung bei der Förderung von Seltenen Erden einen Verhandlungsvorteil. Der inländische Wettbewerb, gefördert durch Subventionen und Steuervergünstigungen, führt zum anderen zu sinkenden Preisen. Dies stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Industrieunternehmen und erhöht Chinas Exportanteil. Der schwache Immobilienmarkt belastet zwar die Binnennachfrage, niedrige Inflationsraten und deflationäre Tendenzen führen jedoch zu einer höheren Kaufkraft. Insgesamt dürfte die chinesische Wirtschaft um 4,2 Prozent wachsen (IWF-Prognose Oktober 2025).

Weitere Wachstumspulse aus Indien

Weitere Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft kommen aus Indien, das mit voraussichtlich 6,2 Prozent in 2026 wächst (IWF-Prognose Oktober 2025). Für die Gruppe der Schwellenländer ergibt sich ein Wirtschaftswachstum in Höhe von vier Prozent, während die Industrieländer mit einem Wachstumstempo von 1,7 Prozent etwa das Niveau von 2025 erreichen. Für die Weltwirtschaft rechnen die Warburg-Experten für 2026 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent.

EU-Anleihen als sicherer Hafen

Mit Blick auf Anlagealternativen spielen die Rentenmärkte für die meisten Analysten nur eine untergeordnete Rolle. Zu den Ausnahmen gehören EU-Bonds, auf die Morningstar aufmerksam macht: Von der Europäischen Union begebene Anleihen haben sich zu einer wachsenden Anlageklasse mit globaler Nachfrage entwickelt. Bestehende EU-Anleihen oder auch EU-Bonds sind keine „echten Eurobonds", da ihnen die für echte staatliche Anleihen typische gesamtschuldnerische Haftung fehlt. Die Marktnachfrage ist stark und wächst weiter, jedoch bestehen nach wie vor politische Einschränkungen.