KUTZERS CORNER

Eine Chance für Deutschland 

27.09.26 

Deutschland kann auch für positive Nachrichten sorgen – nicht nur von der Börse. Das zurückliegende Wochenende macht jedenfalls Mut. Dabei geht es nicht nur um jetzt wieder optimistischere Konjukturprognosen, auch der Sport liefert mit Münchens Bewerbung um die olympischen Spiele zuversichtliche Perspektiven, die internationale Wertschätzung verdienen.

Deutschlands Wirtschaft und Börse haben sich seit Wochen besser entwickelt als die Skeptiker erwarteten. Auch ich kann wieder eine vorsichtig optimistische Haltung einnehmen. Es wäre aber zu früh, geschätzte Anleger, die zurückhaltende Einschätzung gegenüber neuen Aktienanlagen ganz aufzugeben. Interessant wird jetzt sein, wie sich die Märkte in den ersten Wochen des letzten Quartals weiterentwickeln werden. Orientiert man sich an den aktuellen Analystenprognosen, besteht berechtigte Hoffnung auf anhaltend solide Märkte.

Ifo Geschäftsklima – höchster Stand seit Sommer 2023

Das ifo Geschäftsklima hat sich im September erneut verbessern können und weist damit seit Mai einen Aufwärtstrend auf. Getragen wurde der Anstieg von der Lageeinschätzung und den Geschäftserwartungen. Beide Indexkomponenten haben im September erstmals seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten ihre Vorkriegswerte übertroffen.

Deutsche Wirtschaft meldet sich zurück

Im dritten Quartal ging es für den ifo-Index ausschließlich nach oben. Dies ist ein gutes Zeichen für die deutsche Wirtschaft. Nach dem besser als erwarteten Wachstum im ersten Halbjahr 2026 gibt es keine Alarmsignale vom ifo-Index, die darauf hindeuten, dass Deutschland den Wachstumspfad verlässt. Ohne Risiken ist der Weg im zweiten Halbjahr für die deutsche Wirtschaft natürlich nicht. Einige Gründe für Sorgenfalten auf den Gesichtern der Unternehmer sind Inflation, Zinsen, Energieversorgung und geopolitische Herausforderungen.

Fünfter Anstieg in Folge

Im September verbesserte sich das Geschäftsklima zum fünften Mal in Folge und erreichte nach einem Anstieg um 1,1 Punkte einen Stand von 89,9 Punkten (Bloomberg-Median und DekaBank 89,0 Punkte). Dies ist der höchste Stand seit mehr als drei Jahren.

Der Anstieg beim Gesamtindex geht auf Verbesserungen sowohl bei der Lagekomponente als auch bei den Geschäftserwartungen zurück. Die Erwartungskomponente konnte mit einem Anstieg auf 90,4 Punkte den Nahost-Konflikt hinter sich lassen. Bei der Lageeinschätzung war dies bereits im August der Fall. Das klingt zunächst sehr gut und deutet auch auf eine entsprechende Erholung der deutschen Wirtschaft hin. Aber die notwendige Einordnung der Entwicklung in den vergangenen Monaten liefert der Blick auf die ifo-Konjunkturuhr. Der Zeiger der ifo-Konjunkturuhr bewegt sich zwar in Richtung Aufschwung, er steht aber immer noch im Rezessionsbereich.

Deutschland: Staatsausgaben und Auftragsplus geben Rückenwind

Staatsausgaben und Auftragsplus geben Deutschlands Konjunktur Rückenwind, die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen steigen nach starken Einkaufsmanagerindizes.

Dazu schreibt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: Die deutschen Staatsausgaben lagen im August mit 50 Milliarden Euro rund 14 Prozent über dem Vorjahresniveau, wozu auch höhere Zinszahlungen beitrugen. Die für die Konjunktur relevanten Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung wurden zwar stärker genutzt als 2025, aufs Gesamtjahr hochgerechnet könnten die Ausgaben jedoch 20 beziehungsweise 30 Prozent hinter den Regierungsplänen für 2026 zurückbleiben. Mit Blick nach vorn stimmen neben der traditionell starken Saisonalität der öffentlichen Ausgaben im Schlussquartal vor allem die Fiskalpläne für 2027 hoffnungsvoll, die knapp 140 Milliarden Euro für Verteidigung und rund 55 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität veranschlagen. Die Herausforderung bleibt die Umsetzungsgeschwindigkeit.

Zugleich deutet die jüngste Schnellschätzung der Einkaufsmanagerindizes für September an, dass der fiskalische Rückenwind zunehmend in der Realwirtschaft ankommt. Der branchenübergreifende Index erreichte mit 53,8 Punkten den höchsten Stand seit elf Monaten, während Auftragseingänge und Auftragsbestände so stark zulegten wie zuletzt im Jahr 2022. Vielerorts wächst die Nachfrage schneller, als die Unternehmen ihre Aufträge abarbeiten können. Während sich der Beschäftigungsaufbau noch auf den Dienstleistungssektor konzentriert, hat sich der Stellenabbau in der Industrie zuletzt verlangsamt. Setzt sich die Konjunkturbelebung fort, könnte eine steigende Kapazitätsauslastung auch in der Industrie die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhen und die Erholung der deutschen Wirtschaft in den kommenden Quartalen auf eine breitere Basis stellen.

Starke Konjunktursignale treiben Anleiherenditen

Und die internationale Perspektive: Die von S&P Global veröffentlichten Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes signalisieren im September eine kräftige Belebung der Privatwirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Der branchenübergreifende US-Index stieg auf 58,4 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit Juli 2021. Im Euroraum markierte das Barometer mit 53,1 Punkten das stärkste Expansionstempo seit fast dreieinhalb Jahren. In beiden Regionen zogen die Preisindikatoren an, zugleich verbesserten sich die vorlaufenden Komponenten wie Auftragseingänge, Auftragsbestände und Beschäftigung.

Der robustere Konjunkturausblick und Anzeichen anhaltenden Preisdrucks trieben die Zinserwartungen. Für die Fed und die Europäische Zentralbank preisen die Märkte jeweils eine weitere Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte im Dezember ein. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen wieder über fünf Prozent, jene zehnjähriger Bundesanleihen über 3,5 Prozent.