Tech-Aktien werden mit den Mega-Problemen besser fertig

 21.10.21

Corona, Inflation, Energieverknappung – die Probleme im Umfeld der Börsen nehmen zu. Was das bedeuten kann, ist bisher von der Mehrheit der Anlagestrategen unterschätzt worden. Obwohl sich die Risiken noch nicht in den Aktienkursen spiegeln, wachsen die Sorgen – vielleicht ins Gegenteil, vielleicht werden die Gefahren jetzt überschätzt. Insbesondere die Diskussion über Preissteigerung und Energieknappheit hat in diesen Tagen eine neue Qualität erhalten, weil die allgemeinen Trends nun auch direkt auf die Unternehmen übertragen werden. Das kann Ihnen, geschätzte Anleger, bei der konkreten Kauf- und Verkaufsentscheidung nützlich sein.

Mir sind aktuell dazu Analysen von Generali Investments und AllianceBernstein aufgefallen – zwei Giganten der internationalen Vermögensverwaltung. Die beschreiben konkrete Konsequenzen, denn: Die Sorge über die Energieknappheit wird größer. Es kann in naher Zukunft oder mittelfristig zu Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage führen (zum Beispiel, wenn es einen sehr kalten Winter gibt). Da die Energiewende unausweichlich ist, könnte die Nachfrage nach alten fossilen Energieträgern, insbesondere nach Erdgas (= weniger "schmutzig" als Kohle und Erdöl) steigen, vor allem in Asien. Höhere Rohstoffpreise sind Gift für die Wirtschaft und die Märkte, und zwar aus mindestens drei Gründen: Sie schmälern sowohl die Gewinnspannen der Unternehmen als auch die Kaufkraft der Verbraucher und können eine schnellere/stärkere Straffung der Geldpolitik erforderlich machen. Folgert das Research von Generali Investments: Dies verdient entweder eine umsichtigere Allokation oder eine umfangreiche Absicherung.

Der Inflationsdruck nimmt zu. Für Anleger stellt sich deshalb die Frage, welche Unternehmen in der Lage sind, die hieraus entstehenden Kosten weiterzugeben und so ihre Gewinnspannen zu schützen. Handelt es sich um einen dauerhaften Preisanstieg oder wird der Inflationsdruck mit einer Normalisierung der Lieferketten wieder abnehmen? Die Vordenker von AllianceBernstein gehören nicht zu den Optimisten: Unserer Ansicht nach deuten die Informationen aus den jüngsten Gewinnmitteilungen auf eine anhaltende Inflation hin, die sich zumindest in den kommenden Quartalen noch fortsetzen wird. Im Rahmen der Berichterstattung zum zweiten Quartal 2021 verwiesen rund die Hälfte aller Unternehmen im S&P 500 auf einen gestiegenen Kostendruck – dies ist der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Viele Unternehmen konnten diesem Inflationsdruck bisher durch ein solides Umsatzwachstum und die Vermeidung von Kosten standhalten. Angesichts der Normalisierung des BIP-Wachstums sowie nun nicht länger vermeidbarer Geschäftsausgaben könnte die Inflation jedoch künftige Gewinne schmälern.

Doch gibt es nicht nur Verlierer. Technologieunternehmen mit omnipräsentem Programm- oder Serviceangebot sind in einer vorteilhaften Position, wenn es um Preissteigerungen geht. So müssen etwa Zahlungsabwickler und Softwareanbieter, die ihre Tarife in letzter Zeit nicht erhöht haben, bei Preisanpassungen kaum mit Gegenwind rechnen. Rund 75 Prozent aller Kredit- und Debitkartenzahlungen werden über die beiden weltweit bedeutendsten, als Technologieunternehmen klassifizierten Anbieter Visa und Mastercard abgewickelt – Tendenz steigend. Beide Anbieter haben während der Pandemie auf Preiserhöhungen verzichtet. Für das Jahr 2022 wurden jedoch bereits entsprechende Anpassungen angekündigt. Ein zweiter Bereich mit dem Potenzial für Preissteigerungen ist die Transportbranche. Die durch die Lockdowns während der Pandemie unterbrochenen Lieferketten stehen derzeit vor der Herausforderung, eine steigende Nachfrage zu befriedigen. Die Häfen sind mit Containern überlastet und die Zahl an Lkw-Fahrern reicht nicht aus, um den vorhandenen Bedarf zu decken. Einige Transportunternehmen berechnen für sogenannte Premiumfracht drei- bis viermal höhere Preise als noch vor einem Jahr. Andere Spediteure kündigen Festpreisverträge, weil es ihnen der Markt erlaubt, höhere Tarife anzusetzen. Ein großer Einzelhändler ist wegen der gestiegenen Kosten und Verzögerungen bei den Lieferketten bereits dazu übergegangen, Schiffe und Container direkt zu mieten, um seine Waren ohne Umweg über externe Frachtführer auf den Markt zu bringen.

Auf der anderen Seite gibt es auch Firmen, deren Umsätze unter Preiserhöhungen leiden können. Um nachteilige Entscheidungen in einem inflationären Umfeld zu vermeiden, sollten Anleger nicht nur die Gewinner dieser aktuellen Entwicklung kennen. Die Frage danach, welche Unternehmen zurückbleiben werden, ist möglicherweise genauso wichtig.