Wandelanleihen für Bullen und Bären geeignet

 13.01.22

Manche von Ihnen, auch wenn sie durchaus mutig sind, fragen nach dem Worst Case. Zumindest interessiert sie, was zu einer ausgeprägten Schwächephase am Aktienmarkt führen könnte. Diese Anleger verfolgen naturgemäß die Inflations- und Zinsentwicklung. Lassen wir einmal Krisen, Kriege und andere Katastrophen außen vor, dann gilt der Fokus weiterhin den Zentralbanken und ihrer Liquiditätssteuerung.

Wird die Fed in diesem Jahr zum Risikofaktor? Alarmiert von der auf ein 40-Jahreshoch gestiegenen Inflation in den USA sprechen sich Währungshüter für ein Stakkato an Zinserhöhungen im laufenden Jahr aus. „Ich denke jetzt, dass wir 2022 vielleicht vier Schritte machen sollten", sagt der Chef des Zentralbankbezirks St. Louis, James Bullardem. Sein Kollege Patrick Harker aus Philadelphia plädiert für eine Abfolge von drei Anhebungen, mit der man bereits im März beginnen könne. Die Notenbank sei darauf fokussiert, die Inflation wieder auf 2 Prozent zu drücken, betont die designierte Fed-Vizechefin Lael Brainard. Zugleich will die Notenbank die Erholung erhalten, die jeden erreichen müsse. Das gilt als die die wichtigste Aufgabe der Fed.

Ich bin überzeugt, geschätzte Anleger, dass die führenden Notenbanken ihr Geschäft beherrschen. Das haben sie viele disinflationäre Jahre lang bewiesen und sollten jetzt verantwortungsbewusst auch eine reflationäre Phase managen. Deshalb sehe ich in der Viruspandemie und ihren Folgen die größte Gefahr für Wirtschaft und Finanzmärkte.

Die Investmentstrategen von Lazard Asset Management sehen sich kritisch die aktuelle Bewertung des US-Aktienmarkts an, die gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis rund doppelt so hoch wie zu Beginn der Finanzkrise 2008 ist. Europäische und Emerging Markets Aktien gelten zwar ebenfalls als hoch bepreist, bewegen sich allerdings längst nicht auf so einem extremen Niveau wie der S&P 500. Empfehlen die Experten: Investoren sollten generell das (auch von mir) viel gehörte TINA-Argument für Aktien (“There is no Alternative”) kritisch betrachten. Denn Aktien und Anleihen kommen in der Asset Allocation unterschiedliche Rollen zu. Anleihen sind der Garant für Sicherheit (leider stimmt das nicht immer), während Aktien den Mehrertrag generieren sollen. Zwei Assetklassen mit so unterschiedlichen Funktionen kann man nicht einfach mit Ertragsargumenten miteinander vergleichen, sagen die Lazard-Experten.

Die anhaltende Inflation und TINA-Einstellung vieler Anleger rücken Wandelanleihen in den Fokus, hier gilt das Chancen-Risiko-Verhältnis als interessant. Setzt sich die Aktienrally weiter fort, profitieren Wandelanleihen stark von ihrem Aktien-Exposure. In größeren Korrekturen hingegen werden sie eher zu Unternehmensanleihen und bieten Schutz. Investoren könnten so über das neue Jahr gezielt von steigender Volatilität profitieren. Ja, die Convertible Bonds gehören auch für mich seit langem zu den Favoriten für eine Depotbeimischung oder als Satellit im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie.