KUTZERS CORNER

15.04.24 

Was tun, wenn Ihnen Kriege 

(keine) Angst machen?

Sie kennen die alte Weisheit: Angst und Gier sind schlechte Ratgeber. Das gilt auch und gerade für Geldthemen. Wie sollte man als Anleger jetzt aber auf die weltpolitischen Gefahren reagieren? Es gibt keine eindeutige Antwort.

Krisen und Kriege weiten sich aus, Europa und die USA werden immer stärker involviert. Wirtschaft und Finanzmärkte können sich diesen Einflüssen nicht mehr entziehen. Dies ist keine Zeit für Gier – aber Angst ist plausibel!

Analysten sind immer noch optimistisch

Bisher haben die Börsen kaum reagiert. Und die Mehrheit der Profis ist bis zuletzt eher optimistisch geblieben. Dazu typische Stimmen von vergangenem Wochenende. Die Rally geht weiter, glaubt DZ Bank, die für das nächste Jahr 20.000 Dax-Punkte erwartet. Das genossenschaftliche Research erhöht seine Aktienmarktprognosen. Für den deutschen Leitindex sehen die Analysten zum Ende des Jahres nun 19.500 statt 18.200 Zähler. „Nach den Aktienmarkttiefs war die Erholungsrally seit November 2023 aufgrund der stabilen Unternehmensgewinne überfällig und ist längst noch nicht abgeschlossen“, erklärt Chefstratege Sven Streibel. Nachholbedarf bestehe insbesondere bei zyklischen Werten auf beiden Seiten des Atlantiks, die unter Zinswende und weltweiten Krisenherden gelitten haben. Die unerwartet hohen US-Inflationszahlen sieht er als Indiz für eine robuste amerikanische Wirtschaft und Preissetzungsmacht der Unternehmen. Kursrücksetzer empfiehlt er als Kaufgelegenheit. Auch für die US-Börsen erhöhen die Analysten ihre Prognosen. Statt 5.200 rechnet die Bank für den S&P 500 Ende Dezember nun mit 5.600 Punkten. „Unabhängig vom Wahlausgang dürfte die US-Wirtschaftspolitik expansiv bleiben und Künstliche Intelligenz löst einen neuen Superzyklus beim Ertragspotenzial aus“, betont Sven Streibel.

Börsenziele angehoben – trotz weniger US-Zinssenkungen

Ähnlich klingt die jüngste Analyse von M.M. Warburg: Die Aktienmärkte sind mit viel Schwung ins neue Jahr gestartet und haben damit nahtlos an die überraschend gute Wertentwicklung des Jahres 2023 angeknüpft. Der Dax hat die Jahresendprognose von 18.000 Punkten bereits übertroffen, gleiches gilt auch für andere Indizes wie den S&P 500 oder den Euro Stoxx 50. Damit stellt sich die Frage, wie es wohl weitergeht und wie sich Anlegerinnen und Anleger positionieren sollten. Gewinne mitnehmen oder laufen lassen?

Die positive Aktienmarktentwicklung wird zum einen auf die Erwartung weltweit sinkender Leitzinsen zurückgeführt, zum anderen auf eine robuste US-Konjunktur sowie auf die Hoffnung, dass sich das Wirtschaftswachstum in den europäischen Volkswirtschaften – insbesondere in Deutschland – im Jahresverlauf beschleunigen wird. Positive Konjunkturdaten sind für die Aktienmärkte allerdings ein zweischneidiges Schwert, schreibt mir Warburg weiter. Einerseits deuten sie auf bessere Unternehmensgewinne hin, andererseits nimmt die Inflationsgefahr zu. Genau diese Gratwanderung zwischen guten Konjunkturdaten und weniger guten Inflationsraten ist derzeit in den USA zu beobachten. Gingen die Marktteilnehmer zu Jahresbeginn noch von bis zu sieben Zinssenkungen der Federal Reserve aus, so sind jetzt nur noch zwei oder drei Schritte nach unten wahrscheinlich.

Was bringt die Berichtssaison?

Positive Impulse für die Aktienmärkte könnten von der anlaufenden Berichtssaison ausgehen. Im Mittelpunkt des Interesses wird erneut der Technologiesektor stehen, der die bisherige Aktienmarktrallye angeführt hat. Die moderaten Gewinnerwartungen für den Dax und den Euro Stoxx 50 und die im Gegensatz zu den USA immer noch niedrigen Bewertungen sprechen aber für weitere Kursanstiege in den kommenden Monaten. „Wir heben daher unsere Kursziele zum Jahresende für den Dax von 18.000 auf 19.500 Punkte und für den Euro Stoxx 50 von 4.800 auf 5.300 Punkte an.“ Rekordgewinne der Unternehmen sind der Grund dafür, dass auch die Aktienmärkte neue Höchststände erreichen.

Auch 2024 ein Rekordjahr für Dividenden

Nachdem 2023 ein Rekordjahr für Dividendenausschüttungen europäischer Unternehmen war, erwarten Anlagestrategen 2024 einen weiteren Anstieg. Wenn Anleger an regulären Ausschüttungen in Form von Dividenden interessiert sind, „“gilt Europa als die attraktivste Anlageregion – auch historisch. Europa ist sozusagen das Powerhouse der Dividende. Denn europäische Unternehmen sind im Vergleich zu US-Titeln häufig günstiger bewertet und bieten höhere Dividendenrenditen. Beispielsweise lag die Dividendenrendite Ende März im MSCI Europe bei 3,6 Prozent, im MSCI Japan bei 2,4, im MSCI World bei 2,1 und im MSCI USA bei nur 1,5 Prozent. Gleichzeitig sind die Ausschüttungsquoten europäischer Firmen nicht übertrieben hoch.

Alternativen für vorsichtige Anleger

Ich kann gut nachvollziehen, geschätzte Anleger, wenn viele von Ihnen spätestens seit der Zuspitzung der Nahostkrise (Iran) stark verunsichert sind. Da keiner, auch kein Börsenprofi den Fortgang des Konflikts kennen und darauf reagieren kann, müssen Sie sich selbst entscheiden – je nach individueller Risikobereitschaft.

Naturgemäß ist ein Rückzug von den Märkten für besonders ängstliche Typen eine denkbare Alternative, ein Abbau von Aktienpositionen oder zumindest keine neuen Engagements mehr. Erst einmal zuschauen also. Das wäre für mich keine Taktik.

Wer jedoch bereit ist, trotz der Krisen und Kriege langfristig dabei zu bleiben (trotz der Gefahr von stärkeren Kursrückschlägen), sollte sein Portfolio überprüfen und sich auf die hier seit Monaten hervorgestellten Sachwerte konzentrieren. Da bieten sich gerade jetzt Gold und Industriemetalle an, außerdem starke Aktien (Dividendenrendite) aus Europa, USA und Japan.

Auf alle Fälle: Bleiben Sie extrem vorsichtig, liebe Leser, zumindest bis sich der geopolitische Horizont wieder aufhellt!