KUTZERS CORNER

Geduld! Der Dax hat noch viel Potenzial

26.05.24 

Der Horizont hellt sich auf, denn der Optimismus unter den Anlagestrategen nimmt zu. Das sollte Aktienfans weiter Mut machen.

Immer mehr Analysten und Volkswirte ziehen jetzt eine 2024er Zwischenbilanz, denn sowohl für die kommende Fußball-EM als auch die deutsche Konjunktur lautet die entscheidende Frage: Sind wir fit genug, damit unsere Wirtschaft 2024 endlich wieder wachsen wird oder scheidet Deutschland schon wieder in der Vorrunde aus?

In den ersten Monaten dieses Jahres drängten sich die strukturellen Schwächen wie mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, schlechte Infrastruktur und hohe Bürokratie in den Vordergrund. Dabei wurde vernachlässigt, dass sich durch die Belebung der Weltkonjunktur und abnehmende Inflationsraten eine konjunkturelle Erholung bereits anbahnt. Dazu die Experten der Helaba: So überrascht es nicht, dass der deutsche Aktienindex Dax von einem Hoch zum nächsten eilt. Mittlerweile haben viele erkannt, dass Konjunkturpakete der falsche Ansatz sind und ein Umschalten der Fiskalpolitik in den Angebotsmodus die richtige Strategie wäre. Die Umsetzung lässt allerdings noch auf sich warten.

„Umschaltspiel“ durch die Geldpolitik

Das Umschaltspiel sollte in diesem Jahr jedoch nicht nur auf fiskalpolitischer Ebene stattfinden, sondern insbesondere bei der Geldpolitik. Deshalb bleibt das Umschaltspiel für die Frankfurter Landesbanker das Basisszenario verglichen mit anderen Strategien – und die wichtigsten Spieler auf dem Platz werden auch 2024 die Notenbanken sein. Nach der verspäteten, dann aber massiven Straffung 2022 / 2023 sind Fed und EZB am Zinsgipfel angekommen. Während sich die US-Notenbank noch ziert, ist ziemlich klar, dass die EZB am 6. Juni in einen Zinssenkungszyklus umschalten wird. Die rückläufigen Inflationsraten ermöglichen dies. In den USA haben hingegen eine robuste Konjunktur und immer noch zu hohe Inflation die Taktik zu einer geldpolitischen Lockerung durcheinandergebracht. Statt schon im Juni den Leitzins erstmalig zu senken, wie vorher avisiert, wird sich die Fed wohl bis September Zeit lassen. Auch die Konjunktur schaltet um. Selbst Deutschland wird 2024 mit einer Rate von voraussichtlich 0,5 % wieder etwas Wachstum aufweisen können.

Gewinne laufen lassen

Nachdem die Aktien im Mai kräftig gestiegen sind – mit Kurszuwächsen von bisher fünf, sechs oder sieben Prozent – fragen sich viele Anleger nun: Wie geht es weiter? Als Orientierung können hier Bewertungskennzahlen dienen, die Aktien und Aktienindizes untereinander vergleichbar machen. Dazu zählt zum Beispiel das Verhältnis von Kurs zu Gewinn, kurz KGV. „Der S&P 500 hat zum Beispiel ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas über 20. Dagegen hat der Dax ein KGV von um die 12," schreibt Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg. Deutsche Aktien sind also sehr viel günstiger bewertet als amerikanische. Sich deshalb auf den Dax zu konzentrieren und die USA außen vor zu lassen, wäre aber zu kurz gegriffen, meint der Finanzexperte: „Man sieht es an der Kursentwicklung der letzten Jahre: Obwohl amerikanische Aktien höher bewertet sind, liefen sie dennoch besser."

Nur noch europäische Aktien kaufen?

Und was ist andererseits mit dem Motto „Sell in May and go away?“ Lieber nicht, rät der Volkswirt. Das Börsensprichwort geht auf die Beobachtung zurück, dass die Aktienmärkte in den Sommermonaten tendenziell schlechter abschneiden. Die Idee ist, dass Anlegerinnen und Anleger ihre Aktienbestände im Mai verkaufen und bis zum Herbst, also bis Ende September oder Anfang Oktober, aus dem Markt aussteigen. Hintergrund dieser Strategie sind historische Kursbewegungen, die belegen, dass die Renditen in den Sommermonaten häufig niedriger sind als in den übrigen Monaten des Jahres. Doch weder die saisonalen Muster noch die Theorien, die sie erklären sollen, sind wirklich überzeugend. Untersuchungen zeigen, dass die „Sell in May“-Strategie definitiv keine Erfolgsgarantie verspricht.

Die weiteren Aussichten bleiben nach Einschätzung von Warburg auch für den Dax gut. Die Berichtssaison ist so positiv verlaufen, dass die Unternehmensanalysten ihre Gewinnerwartungen für das Jahr 2024 nach oben revidiert haben. Trotz der guten Kursentwicklung in diesem Jahr ist der Dax mit einem KGV von 12,5 immer noch recht günstig bewertet, so dass das von den Hamburger Volkswirten zuletzt angehobenes Jahresendziel von 19.500 Punkten bald erreicht werden könnte.

Langfristig Dax von 30.000 Punkten

Wie könnte es danach weitergehen? Unter der Annahme, dass sich die Konjunktur etwas erholt, die Inflationsrate zurückgeht und die Zinsen leicht sinken, könnte der Dax bis Ende 2025 auf über 22.000 Punkte steigen. Bleiben größere Krisen aus, könnte der Index bis 2030 sogar auf rund 30.000 Punkte steigen. Für den S&P 500 würde dies analog Kursziele von 6.200 Punkten bis Ende 2025 und knapp 10.000 Punkten bis 2030 bedeuten. Resümiert Klude: „Investiert bleiben!“

Das kann ich nur unterstreichen. So bleibe ich bei meiner schon seit langem bekräftigten Empfehlung, dass Sie, geschätzte Langfrist-Anleger, Ihr Portfolio durch heimische (= deutsche) Qualitäts- und Dividendenaktien, US-Topwerte und asiatische Wachstumsmärkte (am besten als Fonds) mischen sollten. Dazu passen als klassische Sachwerte Gold (ich bevorzuge das Edelmetall in physischer Form) und Industriemetalle.